Überblick
- ›Oshiro‹ Karate - Dojo Hamburg
- - Dojo - Trainingszeiten
- - Yamanni-Ryu Kobudo
- - Kata des Shima Ha Karate
- - Kata des Yamanni Ryu
- - Okinawa, Schmiede des Karate
- - Problem des Bunkai
- - Väter des modernen Karate
- - Funakoshis Nijukun, Richtlinien für das Karate
- - ZEN und Kampfkunst?
- - Sprichworte und Geschichten der Kampfkunst
- - Oshiro Dojos Deutschland
- -Bildergalerie
Kihon - Kata - Kumite
Kihon - Kata - Kumite
Kihon
Kihon beschreibt das Einstudieren und wiederholte Ausführen einzelner Techniken. Es wird auf gute Körperarbeit und effektive Ausführung der Technik geachtet. Kihon wird auch »Grundschule« des Karate genannt. Es kann statisch im Stehen oder dynamisch in der Bewegung ausgeführt werden.
Kata
Es wird oft gesagt, Kata seien ursprünglich die »Seele des Karates« gewesen und enthalten im Gefüge als Ganzes mehr als nur eine Aneinanderreihung der verschiedenen einzelnen Techniken. Dies erscheint plausibel, wenn man bedenkt, dass die alten Meister sehr viel Wissen im Rahmen des Katatrainings erst über die Jahre an ihre Schüler weitergaben. Den Ablauf einer alten Kata zu kennen, langte also nicht um sagen zu können, man verstünde etwas von der Kampfkunst. Ebensowenig aussagekräftig ist die Anzahl der verschiedenen Kata, die jemand trainiert. Sehr gute okinawische Meister wie Choki Motobu haben ihre Kampfkunst z.B. nur aus sehr wenigen Kata abgeleitet.Informationen mit Hilfe von physischen Bewegungsmustern zu speichern und weiter zu geben ist eine effektive Methode, welche nahezu so alt wie die Menschheit selbst ist. Kindern ist die Fähigkeit, durch Nachahmung zu lernen angeboren. Diese Fähigkeit bedeutet Schutz und Vorbereitung auf ein eigenständiges Leben. Das Nachahmen ist ein Prozess, es ist nicht das eigenständige Leben selbst. Eine Kata ist daher nicht der Kampf. Anhand des Erscheinungsbildes einer vorgetragenen Kata können Meister jedoch erkennen, wie gut das Verständnis des Vortragenden bezogen auf einen Gegner ist.
Jagen und Kämpfen - also Überleben - waren von Anfang an ein wesentlicher Teil einer jeden Kultur. Menschen machten Erfahrungen in tatsächlichen Kämpfen gegen andere Menschen oder gegen Tiere. Der Ausgang eines solchen Kampfes zeigte, welche Methoden wirkungsvoll waren und welche nicht. Es liegt nahe, dass man die unerfahreneren Mitgliedern des Stammes die erprobten Techniken und Methoden als "Trockenübung" üben ließ. So konnten sie sich für die realen Situationen oder für weitere Trainingskämpfe vorbereiten. Oftmals flossen die Kampfmethoden eines Volkes auch in dessen Volkstänze ein. Hier macht insebsondere Okinawa keine Ausnahme.
Nur wenige Lehrer jedoch unterrichten tieferliegenden Prinzipien der Kata, welche das Potential haben sollen, sich mit ihrer Hilfe im Angesicht einer realen Konfrontation nützliche Verhaltensweisen antrainieren zu können. So bleibt der Umgang mit den Kata oftmals auf einen möglichst dynamischen äußeren Eindruck fixiert und geht im Bunkai direkt zu ausgedachten oder aus anderen Kampfkünsten kopierten Anwendungen der einzelnen Techniken über. Im Rahmen der Versportlichung des Karate wurde die Form wichtiger als die Funktion. Andererseits weihen Lehrer, die mehr Wissen besitzen heutzutage wie auch damals nicht einfach jeden in die tieferen »Geheimnisse« der Kata ein. Vielen heutigen Karatelehrern sind Hintergründe des »alten« Karate nie vermittelt worden. So mußten sie sich in Bezug auf Technik und Prinzip der Kata selbst etwas zusammen reimen.
Seichusen und Enbusen der Kata - den Gegner dabei nicht außer Acht lassen!
Ein Schwerpunkt der »alten« Kata ist die Art und Weise der Bewegungen des eigenen Körpers entlang des Enbusen (Schrittdiagramm) der Kata und wie man dabei das Seichusen (die Angriffslinie zu eigenen Vitalpunkten) schützt. Die wichtigsten Vitalpunkte sind die empfindlichen und kaum abzuhärtenden Körperstellen entlang der Mittellinie des eigenen Körpers (Augen, Nase, Kehle, Solar Plexus, Genitalien). Betrachtet man den Körper von vorne, dann verläuft sie parallel zur Wirbelsäule. Die direkte Angriffslinie führt die gegnerischen Waffen auch auf direktem Wege zu unserer Körpermittellinie. Die direkte Linie ist der kürzeste Weg. Ein angriff auf diesem Weg ist schwer zu blocken oder zu umgehen. Unsere Interpretation der Kata will diese Linie immer geschützt wissen, auch in der Bewegung, egal welche Technik gerade ausgeführt wird. Seichusen ist jedoch auch der Weg, den unsere Waffen nehmen müssen, um die Vitalpunkte des Gegners angreifen zu können. Kata enthalten Taktiken, die eigenen Vitalpunkte zu schützen und den Weg Richtung gegnerischer Vitalpunkte zu öffnen und diese anzugreifen.
In der Bewegung gilt es, die eigenen Absichten und Techniken möglichst unbedrohlich und natürlich, im Idealfall versteckt bzw. unsichtbar für den Gegner werden zu lassen. Dennoch soll der eigene Körper, insbesondere dessen Masse, effektiv in die Techniken eingebracht werden. Der Körper soll geschickt und taktisch klug durch das Seichusen und entlang des Enbusen der Kata bewegt werden. Auf diese Art entwickelt die Katapraxis ein ganz besonderes Bewusstsein abseits der puren Technikfolgen oder bestimmter Rhythmen. Die Angriffslinie und damit auch den Weg des Gegners zu unserem Körper hat man also stets im Auge und folgt damit einer Forderung, die auch von Gichin Funakoshi besonders betont wurde. Dies ist eine Form von direktem Bunkai, die im modernen Karate so oftmals nicht da ist. Funakoshi schrieb, »dass man beim Üben der Kata nie den Gegner vergessen dürfe«.
1905 - Kampfkunst wird Schulsport
Die Methodik des traditionellen Karate wurde bereits vor seiner weltweiten Verbreitung verändert. Um 1900 nämlich wurde es durch Itosu Anko entschärft, um in den Sportunterricht einiger okinawischer Schulen aufgenommen werden zu können. Itosu hat den »Gegner« und die Anforderungen der realen Konfrontation aus den Kata herausgenommen und den Fokus auf andere Aspekte gelegt. Diese waren vor allem Körperertüchtigung. Daran ist nichts zu kritisieren, denn so entwickelte sich ein Karate, welches den Ansprüchen einer vielseitigen Sportart für Groß und Klein voll und ganz gerecht wird. Über diese Tatsache muß man sich jedoch im klaren sein, wenn man Karate aus anderen Vorstellungen heraus beginnt oder wenn man irgendwann fühlt, dass das sportliche Karate vieles an faszinierenden Prinzipien verloren hat und sie nicht mehr befriedigend erklären kann.
Wettkampfeinfluß - Ein fairer Kampf als Ausgangssituation
Wettkampf verändert die Techniken der Kata und des Karate - Beispiel Tritt-Techniken
Das okinawische Karate bevorzugt niedrige Tritte, die ab Gürtelhöhe abwärts ausgeführt werden. Diese Tritte besitzen nicht den Showeffekt hoher Tritte, sind jedoch gegen Vitalpunkte (= besonders empfindliche Körperstellen) gerichtet oder dienen dem Brechen der gegnerischen Stellung. Der niedrige Tritt erleichtert das Einbringen der eigenen Körpermasse hinter den Tritt.
Wenn man die Wahl hat, hoch oder niedrig zu treten, dann hat der niedrige Tritt einige Vorteile. Man kann niedrige Tritte, ohne aufgewärmt zu sein und in jeder Kleidung, gegen empfindliche Körperstellen einsetzen. Es besteht keine Gefahr einer Zerrung, die Kleidung wirkt nicht hindernd. Der niedrige Tritt entgeht dem Sichtfeld und wird vom Gegner daher nicht so leicht erkannt. Ein hoher Tritt hat einen weiteren Weg zum Ziel, ist leichter abzuwehren und verläuft durch das Sichtfeld des Gegners. Aufgrund der resultierenden erleichterten Abwehrbarkeit, ist der hohe Tritt bei manchen Semikontakt-Wettkämpfen sogar mit Kontakt zum Kopf erlaubt, während Faustschläge lediglich zum Oberkörper mit Kontakt erlaubt sind. Man ist auf einem Bein in einer instabilen Position, in der man, wenn überhaupt, nur möglichst kurzzeitig sein möchte. Besonders, wenn sich der Tritt in der Abwehr des Gegners verfängt, kann man leicht geworfen werden oder die Balance verlieren. Die eigene Masse läßt sich in einen niedrigen Tritt besser einbringen als in einen hohen Tritt. Als entscheidenden Nachteil in einer gefährlichen Konfrontation, entblöst der hohe Tritt empfindlichste Körperpartien in Richtung Gegner.
Die modernen Kata haben viele grundsätzliche Änderungen erhalten, die sich eher auf athletische Aspekte und teilweise sogar dem reinen Imponieren des Auges des Betrachters beziehen. Der Gegner und die ausgehende Gefahr wurde sozusagen aus den modernen Kata herausgenommen. Besonders Auffällig ist der frontal ausgerichtete Oberkörper. Geht man mit frontalem Oberkörper in Richtung des Angreifers vor, bietet man diesem damit eine sehr große und in einem hitzigen Kampf schwer zu schützende Zielfläche. Ein Frontalwerden des Körpers beim Vorgehen, zeigt einem realen Gegner, dass man ihn angreift. Eine weitere, eigentlich zu vermeidende Informationsquelle also für den Gegner. Diese frontale Haltung wirkt in einer Kata auf dem Turnier vorgetragen irgendwo heroisch oder überlegen, ist aber auf einen Kampf bezogen zu gefährlich. Der Stilerbe des Shito-Ryu Karate Kenei Mabuni schreibt entsprechend von einer Art der "totalen Selbstaufgabe", indirekt ausgedrückt durch die gezeigte Haltung in der Kata. Mabuni befürwortet die Schöpfung neuer und noch geeigneterer Kata für Vorführungs- oder Showzwecke und Rückbesinnung auf die ursprünglichen Werte im Umgang mit den alten Kata.
Den Gegner zurück in die Kata bringen
Wenn man Karate oder eine Kata trainiert, dann ist es eine wirkliche Auseinandersetzung mit sich und einem Gegner und es gibt keinen Preis zu gewinnen bzw. der zweite Platz wäre fatal. Es gilt, den Körper zu trainieren, sich so vorteilhaft wie möglich zu bewegen und alle Möglichkeiten für sich zu nutzen, die im Kampf dem möglichst unbeschadeten Überleben dienen. Die erworbenden Fähigkeiten durch das Training von Kampfkunst sind antrainierte Eigenschaften, die auch in den Alltag übergehen sollen. Es gilt unbewusste, störende Verhaltensmuster zu erkennen und abzubauen. Die Körpermotorik wird neu strukturiert. Ein neues Bewegungs- und Körpergefühl stellt sich ein. Traditionelle Kata helfen bei diesem Prozess. Das bloße Wissen um den Ablauf der Kata und dessen Nachahmung reicht hierzu jedoch nicht. Man wird unter entsprechender Anleitung viele entscheidende Feinheiten entdecken können, die die modernen Kata leider während ihrer Formgebung im Rahmen des Massenkarate und des späteren Wettkampfeinflusses in Japan verloren haben.
Vorwärtsdrang in den Kata
Verteidigung bedeutet nicht unbedingt, dass ein direkter Block mit rückwärtiger Bewegung erfolgen sollte, sondern auch in der Vorwärtsbewegung "nicht getroffen zu werden". Die Angriffslinie des Gegners zum eigenen Körper sollte möglichst vorteilhaft umgangen werden. Vorzugsweise geschieht dies in recht direkter Richtung in den
gegnerischen Angriff hinein, oder in eine Position, die es dem Gegner erschwert seinen Angriff fortzusetzen, den Verteidiger aber in eine gute Position für eigene Angriffe bringt. So können sowohl in den waffenlosen Kata als auch in den Bo- und Saikata, die eigenen Gliedmaßen oder aber Bo und Sai als Hilfsmittel eigesetzt werden, welche einerseits einen Angriff auf der Linie des Seichusen ausführen lassen, andererseits gleichzeitig durch den zurückgehenden Arm (Hiki-Te) einen auf den eigenen Körper zukommenden Angriff simulieren können, den es auf schmaler Linie zu umgehen gilt. Dies läßt sich so in einer einzigen Vorwärtsbewegung üben und schult es, den Körper schmal und flexibel entlang des Seichusen zu bewegen. Schmal soll der Körper sein, damit er sich besser hinter den eigenen Waffen schützen kann und flexibel, damit die Körperseiten effizient eingesetzt werden können.
Kata lassen den »Übungspartner« gesund
Man muss im Umgang mit den Kata die Anforderungen eines reglementierten Wettkampfes auf Punkte und Zeit und die Anforderungen eines möglichst direkt zu beendenden Kampfes trennen. Die Techniken, die den Kata ihre Form gaben, orientierten sich nicht am Wettkampf. Sie wollen die Teilnehmer nicht über mehrere Runden möglichst unbeschadet kämpfen lassen, sie wollen den Kampf beenden. In jeder einzelnen Technik muß daher das Potential stecken, einen Angriff zu stoppen oder dieses "Stoppen" unmittelbar vorzubereiten. Vorteil einer Kata ist die Möglichkeit, Techniken mit voller Geschwindigkeit und bis zum Ende durchziehen zu können, die am Partner genauso ausgeführt, diesen erheblich verletzen würden. Dennoch ist es wichtig, die Techniken entsprechend abgemildert auch per Übung mit einem Partner zu optimieren. Eine klare Vorstellung von dem, was man beim Ausführen der Kata gerade tut, ist sehr wichtig, damit Geist und Körper lernen können.
Die alten Kata versuchen die Bewegungen vor dem Auge des Gegners zu verbergen, denn dieser soll ja erst zu spät bemerken, was die eigene Intention ist oder was geschieht. Diese Kata beeindrucken das Auge eines Betrachters dementsprechend auch weniger. Jedoch sind sie voller Prinzipien, die vorteilhafte Verhaltensweisen in Fleisch und Blut übergehen lassen. Dies ist ein noch wichtiger und grundsätzlicherer Prozess, als das Auswendiglernen einzelner abgeleiteter situationsbedingter Bunkai-Anwendungen, es sich auf die Gesamtheit der persönlichen Bewegung und Technikausführung bezieht.
Kumite
Kumite beschreibt das Partnertraining, in dem die Techniken und Prinzipien kampfbezogen angewandt werden. Kumite kann von einfachen Techniken bis hin zu sehr komplexen Techniken und abgesprochenen freien Kampf gehen. Der Partner agiert dabei je nach Stadium des Abwehrenden mehr oder weniger aggressiv, widerspenstig bzw. druckvoll.
Die in Kihon, Kata und Kumite antrainierten Prinzipien sollen in sich stimmig sein und mit der Zeit in Fleisch und Blut übergehen um im Notfall ohne Nachzudenken abrufbar zu sein. Im modernen Karate haben sich Kata, Grundschule und freier Kampf oftmals auseinanderentwickelt. Bewegung und Dynamik in Grundschule und Kata sehen dann sehr verschieden von der Haltung und der Bewegung des freieren Kampfes aus. Im Shima-Ha Shorin-Ryu sieht das Kihon (die Grundschule) bereits sehr natürlich aus. Auch die Kata folgen natürlichen Bewegungsprinzipien, genauso wie ein freier Kampf. Sofern Selbstschutz bzw. Selbstverteidigung das Ziel sind, warum sollte man dann in der Grundschule und Kata etwas anderes antrainieren, als man für das eigentliche Ziel braucht? Stehen Fitness und Wettkampfaspekt nahezu ausschliesslich im Vordergrund, dann kann man Kihon, Kata und Kumite durchaus unterschiedlich gestalten. Jedoch muß man dann auch wissen, dass Antrainiertes im freien Kampf vielleicht sogar hinderlich wirken könnte. Wir bestehen auf große Integrität der drei berühmten Säulen des Karate, dem Kihon, Kata und Kumite. So trainiert man sich durch Kihon und Kata bereits genau das an, was man auch im Kampf dann automatisch nutzen will (siehe: Prinzipien).