Überblick


›Oshiro‹ Karate - Dojo Hamburg


Shorin-Ryu Karate und Yamanni-Chinen-Ryu Kobudo

Wir sind derzeit die einzige Karate- und Kobudogruppe in Hamburg, welche diese traditionellen Karate- und Kobudostile anbietet. Das allseits bekannte »moderne« Karate kam eigentlich erst in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu seiner Form und unterscheidet sich in vielen Aspekten vom traditionellen okinawischen Karate. Militärisch beein­fluss­ter Unterricht großer Gruppen, Modernisierung, Wett­kampf­ge­danke und Showaspekt haben das alte Karate verändert. Das wettkampforientierte Karate entwickelte grundlegend neue Ziele. Seine Techniken sollen durch das Auge des Publikums bewundert oder durch Kampfrichter bewertet werden können. Die Techniken des alten Karate sollten dem Auge des anderen eher verborgen bleiben, es galt sich im unreglementierten Kampf schützen zu können. Wett­­kampf­­karate hat sportliche Regeln eingeführt, an denen sich fortan dessen Technik­inter­pretation maßgeblich orientierte.

Wir wollen zum Kern des alten Karate als okinawische Form der Selbstverteidigung und Bewegungskunst gelangen und dessen faszinierende Körpermotorik erfahren. Die Entwicklungszentren des Shorin-Ryu Karate liegen in den okinawischen Städten Shuri und Tomari. Die Bezeichnung Shorin-Ryu bezieht sich auf den Shaolin-Tempel in China und erkennt den Einfluß chinesischer Kampfkunst auf die Entwicklung des Karate an. Die Okinawer haben jedoch insbesondere mit dem Shorin-Ryu Karate eine eigenständige Kampfkunst entwickelt. Im Vordergrund steht immer die Frage »Wie schütze ich mich selbst?«.
Kampftaktiken oder Kampfstile wurden in China wie in Japan in Form von festgelegten Abläufen, den sogenannten Kata eingebunden. Erfahrungen und Wissen durch Bewegungsmuster oder ritualisierte Tänze weiter zu geben ist eine Methode, die so alt ist, wie die Menschheit selbst. Die Menschen benutzen diese Methode im Prinzip auch in der modernen Gesellschaft noch, da sie sich stets als wirksam erwiesen hat. Die okinawischen Meister haben diese Methode gewählt und perfektioniert, um das Karate weiter geben zu können an die, die sich dafür als verdient erwiesen haben. Da sehr viel Wissen in die Kata gepackt wurde, verzichteten die Meister gänzlich auf das Niederschreiben ihres Wissens. Sie hatten nur jeweils wenige Schüler denen sie mit Hilfe des Bewegungsmusters »Kata« wirksame Kampftechniken antrainierten. Um wirksame Kampftechniken und Bewegungsdynamiken zu erreichen, genügte das Wissen um den puren Ablauf einer Kata jedoch nicht. Das noch wichtigere Hintergrundwissen wurde dem Schüler im Laufe der Zeit erst beigebracht. Durch den im 20. Jhdt. beginnenden Massenunterricht ist nicht nur dieses Hintergrundwissen immer mehr in Vergessenheit geraten, es wurden im modernen Karate die Kata ebenfalls verändert. Gleichsam änderte sich der Zweck des Karate. Weg von der Kampfkunst hin zum Kampfsport, dessen einer Schwerpunkt im Gewinnen von Pokalen liegt.

Toshihiro Oshiro, 9. Dan Shihan Das bei uns praktizierte Karate und Kobudo basiert auf den Nach­for­schungen und Lehren von Shihan Toshihiro Oshiro (9. Dan Karate, 8. Dan Kobudo). Es war auf Okinawa üblich, das waffenlose Karate mit dem Kobudo zu verknüpfen, dem käm­pfe­ri­schen Umgang mit bestimmten Gegenständen. Im »Yamanni-Ryu Kobudo« trainieren wir mit dem Langstock Bo und den Sai (Dreizack, siehe Bilder unten). Im Yamanni-Ryu finden wir eine sehr dynamische, bewaffnete Kampfkunst, deren Studium sich direkt positiv auch auf das waffenlose Karate auswirkt. Nicht umsonst haben die »alten« Meister nicht nur das waffenlose Karate trainiert, sondern insbesondere auch den Umgang mit dem Langstock »Bo«. Während sich das Karate durch Vorführungen und Wettbewerbe rasant verbreitet hat, trat diese Entwicklung im Kobudo viel gedämpfter auf. Es gibt heute viele Karateka aber vergleichsweise wenig Kobudoka.

Kihon, Kata, Kumite - In sich stimmig

Kihon beschreibt das Einstudieren und wiederholte Ausführen einzelner Techniken. Es wird auf gute Körperarbeit und effektive Ausführung der Technik geachtet. Kihon wird auch »Grundschule« des Karate genannt. Es kann statisch im Stehen oder dynamisch in der Bewegung ausgeführt werden.
Kata sind die Bücher des Karate, manchmal auch Bücher der Gesten genannt. Als festgelegte Abläufe ausgeführt, enthalten sie die Technikvielfalt des Karate und entwickeln das körperliche Verständnis für Prinzip und Motorik der Kampfkunst. Enthaltene Techniken sind oftmals universal einsetzbar. Je nach Situation lassen sie sich als Block-, Schlag, Hebel- oder Wurftechniken einsetzen (siehe - Kata, Seele des Karate ).
Kumite beschreibt das Partnertraining, in dem die Techniken und Prinzipien kampfbezogen angewandt werden. Kumite kann von einfachen Techniken bis hin zu sehr komplexen Techniken und abgesprochenen freien Kampf gehen. Der Partner agiert dabei je nach Stadium des Abwehrenden mehr oder weniger aggressiv, widerspenstig bzw. druckvoll.

Die in Kihon, Kata und Kumite antrainierten Prinzipien sollen in sich stimmig sein und mit der Zeit in Fleisch und Blut übergehen um im Notfall ohne Nachzudenken abrufbar zu sein. Im modernen Karate haben sich Kata, Grundschule und freier Kampf oftmals auseinanderentwickelt. Bewegung und Dynamik in Grundschule und Kata sehen dann sehr verschieden von der Haltung und der Bewegung des freieren Kampfes aus. Im Shima-Ha Shorin-Ryu sieht das Kihon (die Grundschule) bereits sehr natürlich aus. Auch die Kata folgen natürlichen Bewegungsprinzipien, genauso wie ein freier Kampf. Sofern Selbstschutz bzw. Selbstverteidigung das Ziel sind, warum sollte man dann in der Grundschule und Kata etwas anderes antrainieren, als man für das eigentliche Ziel braucht? Stehen Fitness und Wettkampfaspekt nahezu ausschliesslich im Vordergrund, dann kann man Kihon, Kata und Kumite durchaus unterschiedlich gestalten. Jedoch muß man dann auch wissen, dass Antrainiertes im freien Kampf vielleicht sogar hinderlich wirken könnte. Wir bestehen auf große Integrität der drei berühmten Säulen des Karate, dem Kihon, Kata und Kumite . So trainiert man sich durch Kihon und Kata bereits genau das an, was man auch im Kampf dann automatisch nutzen will (siehe: Prinzipien ).

Unser Kobudo

Im Yamanni-Ryu Kobudo (auch Yamane-Chinen-Ryu) steht der Umgang mit häuslich bzw. Sai Trainingland­wirt­schaftlich anmutenden Gegen­ständen, vornehmlich dem Langstock (Bo) und den Sai im Vordergrund. Die Sai wurden bereits früh in China als Waffe eingesetzt und kamen zusammen mit entsprechendem Kampfeswissen vermutlich aufgrund der frühen Handelsbeziehungen beider Länder nach Okinawa. Eine These zu den Ursprüngen des Karate und Kobudo auf Okinawa geht von einer Übersiedlung einiger chinesischer Familien aus, welche entsprechende Impulse auf die bestehende einheimische Kampfart lieferten. Zur Hauptwaffe des Kobudo auf Okinawa hat sich der Bo entwickelt. Die anderen Waffen wie Kama, Nunchaku, Tonfa usw. spielten eine untergeordnetere Rolle. Dies sieht man auch daran, dass nur für den Bo spezielle ursprüngliche Kata bis auf Meister Satunushi Sakugawa (ca. 1700-1800) zurückgehend überliefert worden sind (»Sakugawa no kun«). Meister Sakugawa nimmt eine der wenigen bekannten Hauptrollen in den Anfängen der Ahnentafeln des okinawischen Karate und Kobudo ein. Er wurde auch Tode Sakugawa in Anerkennung seines Könnens im Tode (China-Hand) genannt, welches im 20. Jahrhundert dann in Karate (Leere Hand) umbenannt wurde. Es liegt nahe, dass er bereits das Tode (Karate) und das Kobudo aufeinander abgestimmt hat. Das Yamanni-Ryu gilt als Ursprungsstil des okinawischen Kobudo aus dem später weitere Kobudostile hervorgingen. Wir gehen davon aus, dass sich der waffenlosen Kampf aus dem bewaffneten Kampf abgeleitet hat. Hat man die Möglichkeit, einen Gegenstand als Waffe einzusetzen, dann sollte man dies tun. Im Idealfall kann man die Waffe oder ihre Vorzüge vor dem Gegner verbergen. Hat man jedoch keine Waffe als Hilfsmittel zur Hand, dann muß man sich unbewaffnet zur Wehr setzen. Die unbewaffneten Kampftechniken besitzen eine Verbindung zu den bewaffneten Kampftechniken, aus denen sie hervorgingen. Hier spielt speziell für die Shorin-Ryu Linie auch der Schwertkampf eine Rolle und anhand des Sai- und Bohandlings werden Parallelen sichtbar. Karate und Kobudo bilden somit für uns eine symbiotische Einheit. Von vielen der bekannten »alten« Karatemeister weiß man, dass diese auch den Umgang mit dem Langstock (Bo) trainiert haben. Für Karate und Kobudo sollte gelten, dass das Training auf einem Gebiet auch das Vorankommen und die Geschicklichkeit in dem anderen fördern sollte (siehe: Yamanni-Ryu Kobudo ).

Kampfkunst als Lebensweg

Der Weg der Kampfkunst ist zugleich ein interessanter und umfassender Weg, Körper und Geist fit zu halten - auch in Bezug auf die alltäglichen Ansprüche des modernen Lebens . Willkommene Nebeneffekte des Trainings sind ganzkörperliche Gesunderhaltung sowie Steigerung von Ausdauer, Fitness, Widerstandkraft, Konzentrationsfähigkeit und mehr. Trotz des ernsten Hintergrundes der Kampfkünste kommt auch die Freude an kämpferischer Bewegung nicht zu kurz. Im Vordergrund des Karate stehen Selbstschutz und Selbstverteidigung . Wir legen daher keinen Wert auf Wettkampftaktik und wettkampforientierte Technik, da sich Wettkampf und reale Konfliktsituation schlecht kombinieren lassen. Neben dem Karate gibt es auch noch andere effektive Kampfkünste, die aus dem uralten Problem des Überlebenskampfes des Menschen entstanden sind. Ethisches und moralisches Ziel einer Kampfkunst sollte es heutzutage sein, sich körperlich und geistig stark zu machen, um ein aufmerksames, ausgeglichenes und gesundes Leben geniessen zu können. Dennoch sollte man möglichst gut für Ausnahmesituationen gerüstet sein. Kampfkunsttraining dient neben der Bewältigung von körperlichen Konflikten, alsSai-Training auch der Sensibilisierung alltägliche Gefahren betreffend. Das moderne Leben stellt zahlreiche Anforderungen an Körper, Geist und Seele. Auch hier wirken die Kampfkünste im positiven Sinne ausgleichend, so dass man nicht so leicht im Leben aus der Bahn geworfen werden kann.

Die tatsächlichen körperliche Konfliktsituationen betreffend, eignet man sich durch die Trainingsausrichtung des Shima-Ha und Yamanni-Ryu im Laufe der Zeit eine Dynamik und Motorik an, die jederzeit und aus jeder natürlichen bzw. alltäglichen Haltung abrufbar ist. Das Shorin-Ryu Karate ist darauf ausgelegt, das eigene körperliche Potential zu erhöhen. Dafür verändert und erweitert es Körpergefühl und -motorik im positiven Sinne.

Um das traditionelle Karate besser zu verstehen, kann man sich bewußt machen, welche verändernden Folgen der Einfluss von Wettkampf und Massenunterricht auf die Entwicklung des Karate im 20. Jahrhundert natürlicher Weise haben mußte. Karate hat sich u.a. durch sehr gut inszenierte Vorführungen, welche das Auge des Zuschauers beeindruckten, einen grossen Bekanntheitsgrad errungen. Weiterhin ist der Kampfsport natürlich eine sehr gute, intensive körperliche Beschäftigung für junge Menschen. Mit dem fortschreitenden Alter wächst aber natürlicher Weise das Interesse an den Dingen, die einst das Karate bestimmten, als es nicht um Pokale ging. Damals ging es darum, das Leben zu schützen, die Lebenskraft zu stärken und einen realen Kampf schnell zu unterdrücken bzw. zu beenden. Techniken sollten daher nicht den Zuschauer oder Kampfrichter beeindrucken, sondern vielmehr von einem gegenwärtigen Gegner nicht erkannt werden. Daraus ergibt sich quasi eine gegensätzliche Zielsetzung zwischen Kampfkunst und Kampfsport. Karate mußte tauglich für den Massenunterricht werden (Bild um 1935)

 









Karate - Ein persönlicher Weg

Selbst in den für den »Massenunterricht« stark angepassten und technisch eigentlich sehr festgelegten Richtungen des Karate finden sich, manchmal sogar innerhalb einer Stilrichtung, sehr unterschiedliche Auslegungen wieder. So sieht man zum Beispiel im Shotokan-Karate, wie sich JKA (Japan Karate Association) Lehrer sehr unterschiedlich entwickeln und ihre Lehre entsprechend anpassen. Dies geschieht, trotz einer ansich recht klar systematisierten Vorgabe des Systems. Es ist deutlich erkennbar, wie diese Lehrer irgendwann »eigene Wege« innerhalb des Systems finden oder aber sich gänzlich abspalten und umorientieren. Auch in sehr durchstrukturierten Systemen (Kritiker sagen manchmal, es sehe aus, wie eine »Armee von Robotern, die sich bewege«) siegt also irgendwann das Persönliche . Karate war ursprünglich kein so starres System, als das man sich mit Stilrichtungen abgrenzen wollte. Letztlich sind die wirksamen Prinzipien der Kampfkunst unabhängig von diesem oder jenem Stil. Prinzipien funktionieren oder funktionieren nicht im Sinne der Kampfkunst - und in der Kampfkunst steht zu jeder Zeit eine Reihe von Fragen im Raume… »wie schütze ich mich selbst?« bzw. »schütze ich mich selbst mit dem, was ich mir antrainiere? — weiss ich, was mir die Techniken nützen?« und »kann ich die Techniken auch aus tagtäglichen, natürlichen Haltungen ausführen?« Haltungen oder Stellungen und besonders auch die Art, wie man sich bewegt, sind diesbezüglich genauen Rechts: Gichin Funakoshi im höheren Alter um 1950Prüfungen und Hinterfragungen zu unterziehen. Man muss sich auch mit festem Schuhwerk mühelos und schnell vor- und zurückbewegen und wenden können. Damit man hierbei nicht ins Stolpern gerät, braucht man eine passende Fußtechnik. Flinke und sichere Wendungen erfordern, dass man nicht mit den Schuhen gegen den Widerstand des Bodens dreht. Gichin Funakoshi sagte treffend »Der Ausgang eines Kampfes liegt in den einfachen Dingen«. Es gibt sehr viele Feinheiten in der Technik und Motorik des Karate. Besonders für das kombinierte Beherrschen dieser vielen Feinheiten brauchen Körper und Geist viel Training.


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28.04.11
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Meditative Kampfkunst? Tenshido-Ryu meets Karate. Mehr Informationen auf http://tenshido-ryu.de

Moving Zen: Unser Heilpraktiker Carsten bietet ausserdem Karate-Training an, welches für diejenigen, die "Ruhe in der Bewegung" suchen, sehr gut geeignet ist. Trainiert wird Morgens im Park.

27.04.11
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Katalernen mit Joachim Töpfer (5.Dan Shotokan) und Oliver Hofmann (2.Dan Shotokan)